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Quo Vadis Robo Advisor

Felix Scheffka, May 2018

Über die letzten Jahre hat sich ein breites Feld an digitalen Anlageangeboten in Deutschland gebildet, bis auf vielleicht eine Ausnahme bleiben die großen Erfolgsmeldungen allerdings aus und aus Sicht der klassischen Branche bleibt das verwaltete Vermögen insignifikant. Wie könnte man dies aber ändern und perspektivisch neue Kundengruppen erschließen?

Seit einigen Jahren buhlen in Deutschland sogenannte „Robo Adivsor“ und andere „digitale Vermögensverwaltungen“ um die Gunst der Anleger. Einige dieser Angebote richten sich dabei an Kleinanleger, die vorher kaum im Fokus der Finanzindustrie standen, während andere eher auf ein wohlhabendes und anspruchsvolles Segment abzielen. Schaut man sich die Angebote am deutschen Markt dann einmal näher an, stellt man fest, dass die meisten Ansätze allerdings recht stark standardisiert sind. Häufig wird eine Hand voll Musterportfolios aus Indexfonds angeboten und der vermeintliche „Portfoliomanagement-Algorithmus“ ist dann doch eher ein Dreisatz, durch den ein Rebalancing zu einer statischen Asset Allocation durchgeführt wird. Hier lässt sich zurecht die Frage stellen, wo neben vielleicht günstigeren Konditionen der Vorteil gegenüber einem entsprechend agierenden Publikumsfonds liegt.

Robo Advisor 2.0?

Einige Anbieter gehen etwas weiter. „Investify“ beispielsweise hat als erster Anbieter die Funktion angeboten ein „Core Investment“ um Investition in Themen zu erweitern, die der Anleger aus einem vorgegebenen Set auswählt.

Prospery“, eine Tochter der niederländischen ABN AMRO Bank, lädt Anleger dazu ein ihre anderweitigen Anlagen einzugeben oder zu verlinken, um diese in der späteren Anlage zu berücksichtigen. Die tatsächliche Anlage erfolgt dann allerdings „nur“ in ein Set an vordefinierten Fonds, wenn auch mit Unterstützung von sogenannten Coaches, die dem Anleger als Ansprechpartner zur Verfügung stehen.

Der Branchenprimus „Scalable Capital“ verweist darauf, dass jedes einzelne Portfolio überwacht und gemanagt wird. Da dies allerdings nur auf Basis eines Risikomaßes geschieht, welches der Kunde aus bis zu 23 Möglichen auswählt, liegt der direkte Mehrwert gegenüber einer entsprechenden Anzahl an gemanagten Musterportfolien oder auch Fonds erst einmal nicht auf der Hand.

Die Lücke zu Premium-Angeboten digital verkleinern

Während Produkte, die darauf abzielen eine breite Masse zu erreichen, von einer möglichst großen Simplizität profitieren sollten, sieht dies anders aus, wenn anspruchsvollere Kundensegmente adressiert werden sollen. Kunden, die auf Grund ihrer Vermögenssituation auch Zugang zu Premium-Angeboten im Private Banking haben, werden basierend auf ihren Erfahrungen erheblich anspruchsvoller hinsichtlich einer digitalen Anlagelösung sein. Gleiches gilt für Kunden, die ohnehin sehr kapitalmarktaffin sind und sich bereits selbst um ihre Geldanlage kümmern.

Um diese Segmente zu erreichen, müssen digitale Anlageangebote erheblich mehr Individualität bieten, als die heutigen Angebote es tun. Produkteigenschaften, die bei Kundenbefragungen als wertstiftend empfunden werden, sind zum Beispiel eine allumfassende Berücksichtigung der Vermögenswerte, die Einbeziehung von persönlichen Präferenzen und Einschränkungen, die Planung entlang von Ereignissen im Leben des Kunden, eine hohe Flexibilität hinsichtlich Ein- und Auszahlungen, sowie die Kombination eines digitalen Zugangs mit einem menschlichen Ansprechpartner.

Technische Hürden auf dem Weg zum „Premium-Robo“

Um die zuvor genannten Produkteigenschaften anbieten zu können, müssen einige technische Voraussetzungen geschaffen werden. Kundendepots müssen einzeln analysiert und gemanagt werden können. Ebenfalls muss ein breites Spektrum an Finanzinstrumenten abbildbar sein, damit eventuell bereits bestehende Anlagen einbezogen werden können. Insbesondere die Berücksichtigung von persönlichen Präferenzen (bspw. möchte ein Kunde bestehende Mitarbeiteraktien halten, oder so genannte Restriktionen, bei denen der Kunde vorgibt, dass er zu keinem Zeitpunkt mehr als 10% in amerikanische Aktien investiert sein will) stellen technisch (bisher!) eine Herausforderung dar. Es müssen Optimierungsverfahren gefunden werden müssen, die mit einer Vielzahl von Restriktionstypen zurechtkommen und völlig individuelle kundenspezifische Allokationen ermitteln. Gleichzeitig sollten die Modelle jedoch ausreichend flexibel und skalierbar sein, um mit den unterschiedlichsten Vorgaben der Kunden umgehen zu können.

Es ist noch kein „Robo-Meister“ vom Himmel gefallen

Sollte man mittelfristig eine komplexe Lösung zur Befriedigung anspruchsvoller Kundenbedürfnisse anstreben, ist es dennoch sinnvoll auf dem Weg dahin mehrere Produktiterationen zu schaffen. Fundamental wichtig dabei ist, dass man bei der Definition eines „MVPs“ (dem Minimum Viable Product) keine Entscheidungen trifft, die spätere Ausbaustufen ausschließen. Wenn das langfristige Ziel durchdacht ist, kann auf der Basis auch ein Fahrplan entwickelt werden, der eine genaue Planung darüber beinhaltet, welche Produktergänzungen wann zusätzlich eingebaut werden sollen. Hierbei ist besonders wichtig, dass man stets aus der Perspektive der Kunden heraus denkt oder idealerweise (potenzielle) Kunden bei der bereits bei der Konzeptentwicklung einbezieht. Nur so kann belastbar und kontinuierlich beurteilt werden, welche Produkteigenschaften den Bedarf auch treffen und den größten Kundennutzen erbringen.

Der Weg zum digitalen Anlageangebot, welches den Kunden holistisch betrachtet und zudem eine echte Individualisierbarkeit bietet ist somit sicher nicht kurz oder einfach. Wenn man ihn richtig angeht, dann kann man dabei aber über einige Etappensiege freuen und sich sicher sein, dass die geschaffene Lösung am Ende auch alle Erwartungen erfüllt.